Vor über fünf Jahren habe ich einen neuen elektrostatischen Stax Omega ll Kopfhörer und den dazu passenden Röhrenverstärker SRM-007 gekauft. Ich ging davon aus, nun den best klingendsten Kopfhörer, der auf dem Markt erhältlich ist, zu besitzen.

In der Praxis zeigte sich jedoch, dass Klang und Verarbeitung nicht absolut top waren. Am SRM-007 klang der Kopfhörer eher konturlos und "soft", flach und "topfig". Auch die tiefsten Bässe fehlten. Als Vergleich verwendete ich meine anderen Kopfhörer: den Jecklin Float, den AKG K1000 und den Sennheiser HD600. Als Quelle setzte ich für diese Tests den Acoustic Signature Mambo, mit Kuzma Stogi Tonarm und damals noch das Benz ACE L, das symmetrisch durch den Phonovorverstärker Aqvox Phono 2CI MKl verstärkt und dann symmetrisch direkt auf den SRM-007 ging, ein (Damals hatte mein Tonarm noch kein VTAF).

Ein weiteres Problem zeigte sich beim Kopfhörer-Kabel. Die Kabeleinführungen und Anschlüsse an die beiden Membranen sind sehr empfindlich. Ich hatte einen Unterbruch innerhalb beider Kabeleinführung. Mit viel Aufwand konnte ich bei diesen mit einem Messer die Schweissnaht öffnen und innerhalb der Kabeleinführung neue Anschlussdrähte anlöten, die eine stabilere Verbindung zu den Anschlüssen der Membranen erlauben. Warum ich nicht einfach ein neues Kabel kaufte? Ich vermute sehr, dass bei diesem nach relativ kurzer Frist dasselbe Problem aufgetreten wäre... Bevor es zum Unterbruch kam, hatte ich immer mehr Klangprobleme, Störungen und Zirpen beim Hören. Nun, nach der Reparatur, ist all dies verschwunden und der Klang ist wieder stabil und klar.

Als Verstärker für meinen Stax verwende ich nun den Hybridamp V2.0 von A. Rauenbühler. In der Zwischenzeit habe ich immer wieder den Stax mit meinen übrigen Kopfhörern verglichen - und wechselte immer nach ca 10 Minuten Hören zum Jecklin Float. Es dauerte lange, bis ich merkte, dass der Stax sehr anspruchsvoll bezüglich Ansteuerung ist, auch am Hybridamp. Wenn die Quelle nicht optimal klingt und nicht mit sehr guten Kondensatoren an einen sehr guten Verstärker angeschlossen ist, klingt der Stax hart, schrill, oder soft, "topfig", höhen- und/oder basslastig. Normalerweise holt ein Spitzenkopfhörer alles, was möglich ist, auch aus einer suboptimalen Quelle heraus - beim Stax ist es umgekehrt: eine suboptimale Quelle klingt nervender als bei einem anderen Kopfhörer.

Erst mit dem aktuellen DAC, seinem Akku und seiner I2S hiFace USB-Schnittstelle meine ich, den Stax richtig ansteuern zu können: Denn nun klingt er transparenter und vor allem in den Mittellagen sehr klar, präzise und offen und überholt hinsichtlich Klang sogar den Jecklin Float (Allerdings mit der unten beschriebenen Modifikation!). Während der Stax eher analytischer, kühler und präziser klingt und die Instrumente klarer als Einzeinstrumente herausschält, ist der Jecklin mehr im Fluss der Musik, klingt wärmer und irgendwie voller.

Durch einen Hinweis von A. Rauenbühler bemerkte ich, dass der Klang des Stax sich verändert, wenn der obere oder untere Teil des Ohrpolsters etwas vom Ohr weggezogen wird. Nach einigen Versuchen ersetzte ich dann die Leder-Ohrpolster durch Gazebinden, die ich um den Schaumstoffkern wickelte. Der Klang wurde dadurch offener und luftiger. Zwar opfere ich so das ansprechende Design des Stax - aber was macht man nicht alles für einen besseren Klang...

 

Allerdings bleibt der Unterschied beim Tragkomfort: Der Stax ist ein konventioneller Kopfhörer und drückt die Ohrpolster mit einem gewissen Druck an den Kopf, wärenddem der Jecklin keinerlei Druck auf das Ohr und seine Umgebung ausübt und für mich für stundenlanges Hören immer noch die bessere Wahl ist.

 

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